Wildtiere im Engadin

Wildtierbeobachtung im Engadin
Wann und wo stehen die Chancen am besten um Wildtiere zu beobachten?
Die Chancen auf Wildtierbeobachtungen bestehen das ganze Jahr über. Besonders lohnend ist jedoch das Frühjahr ab Mai, wenn viele Tiere ihre Winterruhe hinter sich lassen und wieder aktiver werden, sowie der Herbst zwischen September und Oktober. Dann beginnt die Hirschbrunft – ein Naturschauspiel, bei dem das markante Röhren der Rothirsche weit durch die Täler hallt.
Wer seine Chancen auf eine Tierbeobachtung erhöhen möchte, schliesst sich einer geführten Exkursion an. Lokale Fachkundige kennen die Lieblingsorte der Wildtiere und vermitteln Spannendes über ihren Lebensraum, ihr Verhalten und deren Schutz.
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Wenn die Tage kürzer werden und der Herbst im Engadin sich langsam zeigt, beginnt in der Val Trupchun die wohl faszinierendste Zeit des Jahres: die Hirschbrunft. Erlebe dieses einmalige Ereignis hautnah kombiniert mit kulinarischen Entdeckungen und wohltuender Entspannung
Die «Big Five» des Engadins
Der Rothirsch
Der Rothirsch ist die grösste Huftierart des Engadins. Nachdem die Tiere Mitte des 19. Jahrhunderts in der Region ausgerottet waren, leben heute wieder tausende Rothirsche im Engadin. Die Sommermonate verbringen sie in Höhenlagen bis fast 3’000 Meter über Meer, bevor sie im Herbst in tiefere Gebiete ziehen.
Im September, wenn die Tage kürzer werden, beginnt die Hirschbrunft. Mit lautem Röhren machen die männlichen Rothirsche auf sich aufmerksam und messen sich mit ihren Artgenossen. Im Schweizerischen Nationalpark lässt sich dieses Schauspiel besonders gut beobachten. Dort haben sich die Hirsche an die Präsenz von Menschen auf den Wanderwegen gewöhnt.
Gewusst? Gegen Ende der Brunft können Hirschbullen vom vielen Rufen sogar heiser werden.
Fakten über Hirsche:
• Grösse: 95 – 150cm
• Gewicht: Hirschkühe bis 130kg, Hirschbullen bis 220kg
• Lebenserwartung: 15 – 20 Jahre



Der Alpensteinbock
Der Alpensteinbock gehört zu den beeindruckendsten Tiere der Engadiner Bergwelt. Nachdem er in Graubünden ausgestorben war, gelang 1920 die erfolgreiche Wiederansiedlung im Schweizerischen Nationalpark. Heute sind Steinböcke wieder im gesamten Engadin anzutreffen.
Steinböcke können im Frühjahr im Tal beim Grasen beobachtet werden, während sie im Hochsommer in höher gelegene Gebiete aufsteigen, so dass sie nur mit einer längeren Wanderung zu erreichen sind.
Gewusst? Die Hörner der Steinböcke wachsen ein Leben lang. Die sichtbaren Jahrringe auf der Rückseite der Hörner lassen eine genaue Altersbestimmung zu.
Fakten über Steinböcke:
• Grösse: 65 – 100cm
• Gewicht: Weibliche Tiere bis 60kg, männliche Tiere bis 115kg
• Lebenserwartung: 15 – 22 Jahre



Die Gämse
Gämsen gelten als die Kletterkünstler:innen der Berge. Sie fühlen sich im steilen Gelände auf bis zu 3'500 Meter Höhe besonders wohl. Dank ihrer Hufe finden sie auch auf glatten Oberflächen sicheren Halt. Gämskitze erblicken im Juni das Licht der Welt und folgen schon nach einigen Stunden ihrer Mutter über Stock und Stein. Wer ihren Warnpfiff hört, hat einen seltenen Moment erlebt.
Fakten über Gämsen:
• Grösse: 70 - 85cm
• Gewicht: Weibliche Tiere bis 35kg, männliche Tiere bis 45kg
• Lebenserwartung: 17 - 22 Jahre



Das Murmeltier
Von April bis September sind Murmeltiere auf den Alpwiesen des Engadins unterwegs. Mit ihrem typischen Pfiff warnen sie sich gegenseitig vor Gefahren. Den Winter verbringen die Tiere geschützt in ihren Bauten und halten einen mehrere Monate dauernden Winterschlaf.
Gewusst? Einheimische nennen die Tiere liebevoll «Mungga».
Fakten über Murmeltiere:
• Grösse: 18cm Schulterhöhe
• Gewicht: 4kg
• Lebenserwartung: 10 – 12 Jahre



Der Bartgeier
Mit einer Flügelspannweite von über 2,6 Metern ist der Bartgeier der grösste Vogel der Alpen. Lange Zeit wurde er zu Unrecht gefürchtet und verschwand durch intensive Bejagung aus der Region. Dank erfolgreicher Wiederansiedlungsprojekte vom Schweizerischen Nationalpark kann er seit 1991 wieder am Engadiner Himmel beobachtet werden. Einen fliegenden Bartgeier erkennt man an seinen langen, spitzen Flügeln und dem spatelförmigen Schwanz. Ausgewachsene Bartgeier zeichnen sich durch ihr weisses Gefieder an der Unterseite des Körpers aus.
Gewusst? Die Nahrung des Bartgeiers besteht zu fast 90% aus Knochen, die er im Flug aus grosser Höhe auf Felsen fallen lässt, um sie in mundgerechte Stücke zu zerbrechen und an das nahrhafte Mark zu gelangen.
Fakten über Bartgeier:
• Flügelspannweite: 250 – 280cm
• Gewicht: 5 - 7kg
• Lebenserwartung: Bis zu 50 Jahre, in freier Wildbahn oft viel tiefere Lebenserwartung.

Häufige Fragen zu Wildtierbeobachtungen im Engadin
Der bekannteste Ort für Wildtierbeobachtungen ist der Schweizerische Nationalpark. Besonders die Val Trupchun gilt als einer der besten Beobachtungsorte und wird deshalb oft als «Serengeti der Alpen» bezeichnet. Auch ausserhalb des Nationalparks bestehen gute Chancen, Wildtiere zu entdecken. Wer früh morgens oder in den Abendstunden unterwegs ist und sich ruhig verhält, erhöht die Erfolgschancen deutlich.
Der Schweizerische Nationalpark wurde 1914 gegründet und ist somit der älteste Nationalpark der Alpen. Hier leben Wildtiere in einem streng geschützten Habitat, wo sie genug Nahrung und Möglichkeiten zum Rückzug finden. Bei diesem Komfort nehmen sie es gelassen in Kauf, von Besuchenden beobachtet zu werden. Zum Beispiel von Familien auf ihren Wanderungen durch die Val Trupchun.
Wildtiere lassen sich im Engadin das ganze Jahr über beobachten. Jede Jahreszeit bietet Einblicke in das Leben der Tiere. Im Winter sind vor allem Bartgeier und Steinadler bei ihren Streifzügen gut zu entdecken, besonders während der Mittagszeit, wenn die Thermik für ihre Flüge ideal ist. Auch Spuren im Schnee erzählen von der Anwesenheit verschiedener Wildtiere. Der Schweizerische Nationalpark bleibt im Winter geschlossen, damit die Tiere in dieser sensiblen Zeit möglichst wenig gestört werden.
Gute Chancen für Wildtierbeobachtungen bieten das Frühjahr ab Ende April und der Herbst ab September. Im Frühling werden viele Tiere nach der Winterruhe wieder aktiv, während im Herbst die Hirschbrunft mit dem eindrucksvollen Röhren der Rothirsche einen Höhepunkt bildet.
Neben den «Big Five» wie Rothirsch, Gämse, Murmeltier, Steinbock und Bartgeier leben viele weitere Arten wie Füchse, Rehe, Schneehasen, Steinadler, Biber und Fischotter im Engadin. Auch Grossraubtiere wie Wolf, Luchs und gelegentlich Braunbären kommen im Engadin vor.
Besonders gute Chancen bestehen in der Val Trupchun, rund um Pontresina sowie in hochalpinen Gebieten.
Die Hirschbrunft findet jedes Jahr zwischen Mitte September und Anfang Oktober statt. In dieser Zeit sind die röhrenden Hirschbullen besonders gut zu hören.
Murmeltiere sind von April bis September auf alpinen Wiesen und entlang vieler Wanderwege und auf den Alpenpässen anzutreffen.
Ja. Dank erfolgreicher Wiederansiedlungsprojekte leben heute wieder Bartgeier im Engadin. Mit etwas Glück lassen sie sich über den Bergflanken kreisen sehen.
Nein. Wildtiere dürfen weder gefüttert noch angelockt werden. Das verändert ihr natürliches Verhalten und kann ihnen schaden.
Wildtiere sollten immer mit Abstand und Ruhe beobachtet werden. Bleibe auf markierten Wegen, vermeide Lärm und füttere die Tiere nicht. Hunde sind unter Kontrolle zu halten oder an der Leine zu führen. Die Wildruhezonen während der Wintermonate sind strikt einzuhalten.
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