Der Schweizerische Nationalpark

Hier kann die Natur einfach Natur sein. Im Schweizerischen Nationalpark übernimmt der Mensch lediglich die Zuschauerrolle - allerdings in einem unglaublich spannenden Schauspiel! Aktiv wurde er nur einmal - genauer gesagt 1914, als er mit der Gründung des ersten Nationalparks Mitteleuropas einen Meilenstein in der Naturschutzgeschichte schuf. Heute laden in der östlichsten Ecke der Schweiz rund 100 km Wanderwege und Naturlehrpfade Gross und Klein ein, Zeugen der Wildnis zu werden.
Unberührt …
Der Mensch stellt gerne Regeln auf. Formuliert Vorschriften, erlässt Verordnungen und hält sich mehr oder weniger an Gesetze. Meistens bestimmt er auch, wie sich die Natur zu verhalten hat. Wo dürfen Bäume wachsen, wie gerade muss der Fluss fliessen, wie krumm soll die Banane sein? Die Alpentiere und -pflanzen unseres Parc Naziunal Svizzer können wirklich aufatmen, denn sie haben das Glück, völlig ungestört vor sich hinleben zu dürfen. Und ihren ureigenen Gesetzen und Instinkten zu folgen.
Ihr Zuhause sind 170 herrlich wilde Quadratkilometer auf alpinen 1’400 bis rund 3’200 m ü.M., die sich geographisch am Ofenpass zwischen Scuol, S-chanf, Zernez und dem Val Müstair erstrecken. Dieses gewaltige Freiluftlaboratorium bietet uns zum einen wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse, um uns auch in anderen Lebensräumen rücksichtsvoll bzw. nachhaltig verhalten zu können - und schenkt zum anderen seinen jährlich rund 150’000 Besuchern 150prozentigen Naturgenuss pur!
… und doch ganz nah dran
Unter Beachtung der Parkordnung können sich Jung und Alt das Schauspiel der Natur entspannt erlaufen, aber wenn Sie wirklich den Geheimnissen des Schweizerischen Nationalparks auf den Grund gehen möchten, sollten Sie sich eine der zahlreichen geführten Exkursionen nicht entgehen lassen.
Steinbock voraus!
Hier einige Tipps, wo Sie Steinböcke, Gämsen, Murmeltiere, Rothirsche und Steinadler am Besten zu sehen bekommen:
Murmeltiere tummeln sich überall. «Sie lieben Besucher, sonst ist es ihnen fast zu langweilig», erklärt Nationalparkwächter Fadri Bott amüsiert und rät, einen Abstecher zur Alp Stabelchod zu unternehmen, von wo man einen besonders guten Blick auf die Murmelis hat.
Steinböcke steigen im Hochsommer in höher gelegene Gebiete auf, so dass sie nur mit einer längeren Wanderung zu erreichen sind. Am besten besuchen Sie die Alp Trupchun, die «Serengeti der Alpen», wo mit Glück und Geduld Steinböcke beobachtet werden können.
Derzeit leben im und um den Parc Naziunal Svizzer mehrere Steinadler- und Bartgeierpaare, deren Beobachtung naturgemäss schwieriger ist als von Murmeltieren oder Steinböcken. Auf der Alp Grimmels stehen die Chancen aber gut, die majestätischen Vögel zu entdecken. Beim Infomobil, welches bis Mitte August beim Hotel Il Fuorn stationiert ist, erhalten Sie nicht nur aktuelle Informationen zur Steinadlerbeobachtung, ein Adlerhorst ist von dort auch in 500 m Distanz sichtbar. Allerdings ist dieser Felsvorsprung nicht jedes Jahr Brutstätte, denn auch Steinadler brauchen mal einen Tapetenwechsel. Achten Sie aber auf Murmeltierpfiffe: Diese können ein Alarmsignal sein, das vor Greifvögeln warnt. Schnell, schauen Sie mal nach oben!
Die Suche nach Rothirschen sollte Sie abends zum Hotel Il Fuorn führen, mit etwas Glück können auf der Wiese vor dem Hotel Hirsche beobachtet werden. In der Val Trupchun halten sich von Mai bis Oktober sehr viele Rothirsche an wechselnden Stellen auf. Die besten Beobachtungsplätze im Tal sind die markierten Rastplätze kurz vor, bei und nach der Alp Trupchun.
Der lange Abstecher in die Val Cluozza lohnt sich für alle, die Gämsen mögen, denn die Rudel sind während der gesamten Tour gut zu beobachten. Toller Bonus: Von einigen Stellen in der Val Cluozza aus lassen sich mit dem Fernrohr auf einer Felsplatte 220 Millionen Jahre alte Saurierspuren gut erkennen!
Sie möchten noch mehr erfahren? Dann schauen Sie unbedingt im Nationalparkzentrum in Zernez vorbei. Dessen Kernstück ist die auf 800 m² angelegte spannende interaktive Ausstellung, die von Wechselausstellungen, Shop und weiteren Informationsmöglichkeiten ergänzt wird.