Warten bis zum nächsten Biss

In Plaun da Lej fühlen sich zwei unterschiedliche Jäger ganz schön wohl. Beide lieben Fische, beide lieben den Silsersee. Doch nur einer wird zwischenzeitlich vom Jäger zum Gejagten – im Winter, wenn Eisfischer den See beanspruchen.
Ein schabendes Geräusch wie von einer Rüebliraffel jagt die Berge links und rechts des Silsersees hoch. Antonio Walther ist damit beschäftigt, ein kleines Loch ins sechzig Zentimeter dicke Eis zu bohren. Er setzt zu einem letzten Dreh an – und der Bohrer ist durch. Das Wasser schwappt über das Loch aufs Eis.
Normalerweise sind die farbigen Jacken der Eisfischer auf dem Silsersee bereits von weitem zu erspähen, heute herrscht jedoch Menschenleere. Ein guter Tag für den Fischer, ein schlechter für den Fisch. Der zugefrorene See ist von der letzten Nacht, als der vielleicht letzte Schneesturm der Saison übers Tal fegte, von glitzernd weissen Flocken zugedeckt. Es ist März und die Eisfischsaison, welche Mitte Januar begonnen hat, neigt sich langsam dem Ende zu.