
Das Buch "Dann sprang er über Bord" (2014 bei Vandenhoeck & Ruprecht) behandelt die Alltagspsychologie und psychische Erkrankung an Bord britischer Schiffe im 19. Jahrhundert
In der umfangreichen sozialhistorischen Literatur zur Schifffahrtsgeschichte ist die Frage, wie der Bordalltag psychisch erlebt wurde und welche psychiatrischen Störungsbilder vorkamen, gänzlich unerforscht. Dabei ist anzunehmen, dass unter den meist jungen Besatzungsmitgliedern des phasenweise nahezu geschlossenen Systems „Schiff“ viele psychopathologische Auffälligkeiten vorkamen. Das Schiff war für die Menschen an Bord die »Welt«. Karl-Heinz Reger untersucht systematisch die schiffsärztlichen Berichte der britischen Royal Navy aus den Jahren 1830 bis 1880: 1200 schiffsärztliche Berichte (»Medical Journals«), angefertigt von »Surgeons« bzw. »Medical Officers« von Kriegsschiffen Ihrer Majestät (»Her Majesty’s Ships«). Anders als auf zivilen Schiffen fuhren auf den Schiffen der Royal Navy stets Schiffsärzte mit. Sie waren angehalten, genaue Aufzeichnungen über ihre ärztlichen Tätigkeiten und den Gesundheitszustand der Besatzung zu führen.
Der doppelte Zugang des Psychiaters und Historikers ermöglicht es Karl-Heinz Reger, eine Vielzahl von Phänomenen anschaulich zu machen.
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