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Von See zu See

Das alpine Swimrun Rennen
Engadin
ÖTILLÖ Swimrun Engadin

ÖTILLÖ Swimrun

Swimrun ist jung, ein wenig verrückt und boomt. Es bedeutet, im Neoprenanzug zu rennen und in Turnschuhen zu schwimmen.

Noch 10 Minuten bis zum Start» ruft der Rennleiter in sein Megaphon. Rund 200 Männer und Frauen tingeln aufgeregt durch das Startgelände. Sie ziehen sich die Neoprenanzüge zu, stülpen Badekappen über ihre Köpfe und schauen hoch zu den Bergen, wo die Morgensonne zwischen den Gipfeln hindurch den sattgrünen Bergwald bei Maloja erhellt. Die Neoprenfiguren wirken auf der Wiese wie Pinguine auf der Weide. Sie sind bereit für den Sprung ins kalte Nass. Doch wo ist hier eigentlich das Wasser? Der idyllische Bergsee Lägh da Cavloc, in den sich die Teilnehmer des «Ötillö Swimrun Engadin» bald stürzen werden, befindet sich dreieinhalb Kilometer weit entfernt. Vor den Läufern liegen 39,6 km Berglauf und Schwimmstrecken von insgesamt 5,8 km. Die Lauf- und Schwimmstrecken wechseln sich mehrmals ab. In den vier Seen auf dem Weg zum Ziel werden acht Teilstrecken geschwommen. Pausen gibt es keine. Es ist die wohl härteste Ausdauerprüfung, die das Engadin zu bieten hat.

Zurück zur Natur

Warum nehmen Menschen solche Strapazen auf sich?

Weil Swimrun eine unglaublich intensive Art ist, die Natur zu erleben», erklärt Michael Lemmel, Rennleiter und Organisator dieser etwas verrückten, aber hochprofessionellen Veranstaltung. «Du läufst durch den duftenden Wald, springst direkt in den kalten Bergsee und läufst nach dem Schwimmen sofort weiter. Das macht Spass und ist auch ziemlich anstrengend.»

Michael Lemmel, Rennleiter und Organisator

Zu zweit ist das Erlebnis noch schöner

Im Unterschied zu anderen Ausdauerwettkämpfen wird beim Swimrun in Zweierteams gestartet. 60 Männer-, 12 Frauen- und 26 Mixed-Teams stehen in Maloja am Start. Die zwei Teammitglieder dürfen sich nicht mehr als zehn Meter voneinander entfernen und beim Schwimmen müssen sie mit einem Seil verbunden sein. Ein Grund ist die Sicherheit. Zu zweit kann man sich gegenseitig helfen, wenn einer zum Beispiel einen Muskelkrampf bekommt. Insbesondere beim Schwimmen sei es wichtig, gut aufeinander aufzupassen, weiss Michael. Zudem mache es einfach mehr Spass, sich einer derartigen Herausforderung zu zweit zu stellen.

«Im Team steht vor allem das gemeinsame Naturerlebnis im Vordergrund und weniger das Kompetitive. So ist Swimrun.»
Ötillö Swimrun
Ötillö Swimrun

Das bestätigen auch die Teilnehmer auf dem Startgelände: Mitmachen ist alles, der Weg das Ziel, in Silvaplana anzukommen ihre Hoffnung. Die ersten werden nach 5½ Std. im Ziel erwartet; Torschluss ist nach 9½ Std.

Michael, der die meisten Teilnehmer um einen Kopf überragt, ist der ruhige Pol unter den kribbelig werdenden Swimrunnern. «Geht es langsam an, unterschätzt nicht die Höhenlage und die steilen Anstiege, geniesst diese einzigartige alpine Landschaft», klingt es aus seinem Megaphon. Dann gibt er das Startsignal und 196 Menschen im Tauchanzug und farbigen Badekappen rennen los – über Wanderwege das Tal hinauf. Einige Wanderer beobachten die Szene und applaudieren. «Im ersten Jahr haben uns die Leute komisch angeschaut, inzwischen kennen sie uns und wissen, was Swimrun ist», sagt Michael.

Swimrun Event 2020

Swimrun

Der nächste Ötillö Swimrun Engadin findet am 4. und 5. Juli 2020 statt.

Swimrun

Es begann mit einer verrückten Wette

Die Erfolgsgeschichte der Sportart Swimrun beginnt im Spätsommer 2002 an der Ostseeküste von Schweden. Vier Freunde sitzen zusammen an einer Hotelbar und trinken ein Bier.

«Du läufst durch den duftenden Wald, springst direkt in den kalten Bergsee und läufst nach dem Schwimmen sofort weiter.»

Sie fragen sich, ob sie ohne Hilfsmittel, lediglich laufend und schwimmend, von der Insel Utö nach Sandhamn gelangen können, wo einer der vier ein Hotel führt – eine Distanz von rund 75 Kilometern! Noch am gleichen Abend legen sie die Route fest, welche über 26 Inseln führt, und definieren den Wettbewerbsmodus: in drei Restaurants entlang der Strecke wird etwas getrunken und gegessen – die Verlierer bezahlen die Rechnungen. Am nächsten Morgen starten sie als Zweierteams und benötigen für die Strecke mehr als 24 Stunden. Der Swimrun war geboren.

Zwei der vier Freunde, Michael Lemmel und Mats Skott, entwickeln den privaten Challenge zu einem professionellen Wettkampf weiter. Sie nennen den Event «Ötillö», was auf Schwedisch «von Insel zu Insel» bedeutet, und treffen damit den Nerv der Zeit. Michael und Mats entscheiden daraufhin, den Ötillö als Weltmeisterschaft auszutragen und auch an anderen Orten Qualifikationsrennen zu veranstalten. Dabei ist das Engadin mit seinen hohen Bergen, grünen Wäldern und prächtigen Seen, die sich wie eine Perlenkette durchs Tal ziehen, Wunschdestination Nummer eins: «An der Küste Schwedens schwimmen wir von Insel zu Insel. In den Bergen des Engadins rennen wir von See zu See», erklärt Michael.

2014 ist es so weit: Der erste «Engadin Swimrun» wird gestartet. Und die Veranstalter haben Glück: das Wetter ist perfekt, die Fotos gehen um die Welt und lösen eine internationale Swimrunbegeisterung aus.

«An der Küste Schwedens schwimmen wir von Insel zu Insel. In den Bergen des Engadins rennen wir von See zu See.»

Michael Lemmel, Organisator

Ötillö Swimrun
Ötillö Swimrun

Einführung von kürzeren Strecken

Massentauglich ist der Swimrun wohl geworden, seit Wettkämpfe über relativ kurze Distanzen eingeführt wurden. Im Rahmen des Ötillö Engadin wird auch ein Sprint (12,6 km laufen / 2,6 km schwimmen) und ein Experience Race (5,6 km laufen / 1,3 km schwimmen) ausgetragen. Fanny Josefine und Patrik Widell, die als sportliches Influencer-Paar um die Welt reisen, sind im Sprint angetreten und haben den zweiten Platz erreicht. «Vor einem Jahr haben wir erstmals an einem Swimrun teilgenommen, obwohl ich kaum schwimmen konnte. Dass es nun so gut läuft, ist cool», sagt die ehemalige Kickboxerin, die für ihre knüppelharten Workout-Videos bekannt ist. «Vielleicht liegt es an den Bergen hier. Es ist wie in einem Märchen, durch diese Landschaft zu laufen und zu schwimmen.»

Das schwedische Power-Couple möchte noch mehr: «Unser Ziel ist die Ötillö-Weltmeisterschaft.» Deshalb beobachten sie auf dem Eventgelände von Silvaplana, wie die letzten Athleten auf der Langdistanz ins Ziel einlaufen. Einige haben mit einer Unterkühlung gekämpft, andere eine Verstauchung erlitten, nicht wenige laufen leicht gebückt und humpelnd herum. Trotzdem haben alle ein zufriedenes Lachen im Gesicht.

Ötillö Swimrun

Sieger trinken aus den Seen

80 von 98 gestarteten Teams haben es innerhalb des Zeitlimits ins Ziel geschafft. Das Siegerteam kommt wenig überraschend aus Schweden. «Wir haben viel Berglauf trainiert, das hat sich ausbezahlt», erklären Joakim Brunzel und Johan Carlsson. Und vielleicht hat ihnen auch ein Verpflegungstrick geholfen. «Das Wasser hier ist so frisch und gut, dass wir während dem Schwimmen aus den Seen getrunken haben.»

Auch für Michael, der seit 5 Uhr auf den Beinen ist, geht ein langer Tag zu Ende. «Wie jedes Jahr war es ein einzigartiges Rennen. Ich freue mich bereits aufs nächste Jahr.»


Foto:
Filip Zuan
Pierre Mangez
Akuna

Text:
Franco Furger

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