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Der Lauf durch die Nacht

Langlaufen im Engadin

Der Lauf durch die Nacht
«Die Dunkelheit macht mir nichts aus – mir gefällt sie sogar, denn dann sieht man all die schönen Sterne.»

Dunkelheit. Sie kann verstören. Sie kann inspirieren. Und in dieser Nacht Anfang März werden umhüllt von ihr sogar Höchstleistungen vollbracht.

Umgibt uns das Schwarz der Nacht, kann dies verschiedenste Gedankengänge hervorrufen. Von Schaudern bis Euphorie ist wohl jede Gefühlslage mit Dunkelheit verbunden. Am heutigen Abend begleiten wir die 16-jährige Ilaria Gruber, die im Dress des Teams Engadin Nordic am 5. Engadiner Nachtlauf startet.

Ilaria Gruber
Der Lauf durch die Nacht
Der Lauf durch die Nacht

Jegliche schwere Empfindungen, die mit der Nacht in Verbindung gebracht werden könnten, schiebt sie mit jugendlicher Leichtigkeit von sich: «Die Dunkelheit macht mir nichts aus – mir gefällt sie sogar, denn dann sieht man all die schönen Sterne.» Und überhaupt: «Ob es hell oder dunkel ist, die Aussenwelt nehme ich während eines Rennens nur am Rande war.» Fünfzehn Minuten vor dem Start begibt sie sich in den Startbereich. Sie ist zu diesem Zeitpunkt eine der Ersten. Was aber auffällt: beinahe alle Läuferinnen und Läufer haben hier bereits ihre Skier hingelegt. So reserviert sich jeder seinen Startplatz. Beobachter der Szenerie erinnert es an Touristen, die an Hotelpools früh morgens mit einem Badetuch ihren Liegestuhl reservieren. Ilarias Skier liegen in der zweiten Reihe. «Jetzt beginnt die Nervosität zu steigen» , sagt sie. Sie nutzt den Moment, um das Rennen nochmals vor dem inneren Auge durchzugehen. Dann tummeln sich um sie herum von Minute zu Minute mehr Läuferinnen und Läufer. Auch bei ihnen scheint die Stimmung von Entspannung zu Konzentration zu wechseln. Die Gespräche verstummen, jeder ist nun bei sich. In der heutigen Nacht soll der Vollmond aufsteigen. Doch ist er noch nirgends zu sehen. Dafür leuchten im Startbereich hunderte Stirnlampen. Und davor Kerzen, die den Sportlern die Richtung auf den ersten hundert Metern weisen sollen. Das letzte Dämmerlicht verschwindet hinter Maloja und ein Blick auf die Uhr zeigt an, dass der Startschuss aus der Pistole von Curdin Perl jederzeit bevorsteht. «Geht es los, fällt die Nervosität von mir ab und ich freue mich einfach nur noch auf den Lauf», sagt Ilaria Gruber. Dann kracht der Schuss und die Läuferinnen und Läufer sausen los, hinaus in die Dunkelheit. Vom Seitenrand schaut Marianna Gruber ihrer Tochter nach. Sie sagt: «Schön ist, dass Ilaria den Langlaufsport in erster Linie aus Spass betreibt. Und weil sie die sozialen Kontakte mit anderen Läuferinnen und Läufern schätzt.»

Eine Tochter auf Vaters Spuren

Die junge Engadinerin wuchs in Silvaplana auf. Bereits als Dreijährige stand sie zum ersten Mal auf Langlaufskiern. Ihr damaliger Held? Wie bei vielen Töchtern, ihr Vater. «Ich wollte mit ihm durch die Winterlandschaft gleiten», erinnert sich Ilaria. Ihr Vater ist es auch, der sie fast jedes Wochenende an die Rennen fährt und ihre Skier mit Wachs präpariert. «Sein Engagement ist riesig», sagt Marianna Gruber. Gleichzeitig wuchs auch Ilarias Engagement. «Letzten Sommer reiste ich in zehn Trainingslager», erzählt sie. Damit dies möglich ist, besucht sie die Academia Engiadina in Samedan. Hier erhält die Gymnasiastin, zusammen mit anderen ambitionierten Jungsportle - rinnen, einen auf ihre zeitlichen Kapazitäten angepassten Unterricht.

Der Lauf durch die Nacht

Im Rausch der Geschwindigkeit

Die Läuferinnen und Läufer sind in Gruppen unterwegs. Insgesamt sind es bis zum Ziel in Pontresina 17 Kilometer. Gegenseitig peitschen sie sich zu Höchstleistungen an. Die Tempi sind erstaunlich. Auf der Fläche erreichen die Spitzenläufer Tempi von gegen 30 km/h. Was nachts durchaus mit anderen Tücken als tagsüber verbunden ist. «Man muss mit besonders viel Gefühl fahren», erklärt Ilaria Gruber. Denn die Unterlage sei wegen der Dunkelheit nur schlecht erkennbar. Habe man zu viel Rücklage und fahre über eine Unebenheit, könne dies schnell zum Sturz führen. Genau das ist im Zielbereich dann auch eines der Themen. Der eine oder die andere erzählt von Stürzen unterwegs, kleine Schürfwunden werden herumgezeigt. Doch vorherrschen tut Freude, und zwar bei Profisportlern wie bei Gelegenheitslangläufern. Auch Ilaria Gruber versteckt die ihre nicht. Sie darf mit ihrer Zeit von 42:44 Minuten das Podest erklimmen. Ja, sie darf sogar ihre Startnummer, auf der die Nummer 2 steht, mit der Nummer 1 für die Siegerin wechseln. Die bescheidenen Antworten, die sie während der Siegerehrung dem Moderatoren gibt, bestätigen, was ihre Mutter zuvor erwähnt hat: Im Grunde ist es für Ilaria einfach ein grosser Spass, durch die Nacht zu laufen. Grosse Reden sollen andere schwingen. Doch eine Aussage, die sie vor dem Rennen machte, klingt nochmals nach: «Die Dunkelheit macht mir nichts – mir gefällt sie gar, denn dann sieht man all die schönen Sterne.»

Engadin Skimarathon - Marathonwoche