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«Ich bin. Nicht mehr und nicht weniger.»

Gian-Reto Witschi, Hotel Sonne

«Ich bin. Nicht mehr und nicht weniger.»

Ein Hotel in der Zwischensaison. Es ist ruhig, dunkel und kalt. Die Vorhänge sind zugezogen, die Stühle aufgestuhlt und über ihnen hängen die neuen Duvets für die Zimmer. Die Herbstdekoration liegt auf einem Tisch, auf einem anderen wartet die Nähmaschine darauf, gebraucht zu werden. Stille. Mittendrin Gian-Reto Witschi und seine Frau Jennifer. «Wir mögen die Ruhe im November. Nach fünf Monaten Arbeit ohne Pause geniesst man sie. Sonst ist es hier wie in einem Bienenstock.»

Hier, das ist im Hotel Sonne in Fex Crasta. Wir nehmen den Hintereingang durchs Lager, um ins Innere des Hotels zu gelangen. Ein Traditionshaus. Ein Familienbetrieb in vierter Generation.
2012 hat Gian-Reto ihn von seiner Mutter übernommen. Damit ist er der erste Mann, der den Betrieb führt. «Vor mir waren es immer starke Frauen, die das Zepter in der Hand hatten. Verena Fümm-Nadig hat es 1908 aufgebaut, nach ihr kamen barba Gian und tanta Clorinda, dann meine Mutter. Als Kinder wussten mein jüngerer Bruder und ich: Wir stehen an Platz zwei und drei. An erster Stelle kam stets das Hotel.» Eine Situation, unter der Gian-Reto nicht gelitten hat, wie er sagt, während er kurz aus dem Zimmer geht, um ein Telefon entgegenzunehmen. Er kenne es nicht anders. Und doch spielt die Zwischensaison, in diesem Zusammenhang, seit jeher eine wichtige Rolle für ihn. Denn es war die Zeit, in der die Eltern Zeit hatten. Während er von seinen Erinnerungen erzählt, lässt er einen vom Tischset hervorschauenden Faden wiederholt durch Zeigefinger und Daumen gleiten. «Auf der Veranda, die als Restaurant dient, haben wir dann jeweils unser temporäres Wohnzimmer eingerichtet – ich erinnere mich gerne daran zurück.» Eine Wohnung hatten sie damals noch nicht. Sie wohnten in zwei Zimmern des Hotels mit Bad, links vom Eingang. «Mit 11 Jahren hatte ich dann mal ein Zimmer im zweiten Stock, später wohnte ich eine Zeit im Keller. Je nach Lebensphase.»

Heute steht neben dem Hotel ein Neubau mit zwei Wohnungen. Eine gehört der Mutter von Gian-Reto, in der anderen haben sie als Familie bis vor einem Jahr gewohnt. «Als die ältere unserer beiden Töchter in den Kindergarten kam, sind wir nach Sils gezogen und ich muss sagen: Jeden Abend auch physisch Abstand vom Hotel zu gewinnen, ist gar nicht schlecht.» Die Mutter, Susi Witschi, ist immer noch im Betrieb involviert. Sie bereite jeweils das Frühstück zu, bevor sie nach Sils in ihr Restaurant “La Passarella” geht. Dann dürfen sie allein walten, sagt Gian-Reto mit einem Augenzwinkern. «Meine Mutter ist immer noch der big boss, der General.» Zu stören scheint es ihn nicht– überhaupt scheint es, als bringe diesen Mann nichts aus der Ruhe.

«Ich bin. Nicht mehr und nicht weniger.»

Familienbetrieb bedeutet, man ist und macht alles

Nach der Matura hatte Witschi sich in Unentschlossenheit verloren, bis er sich schliesslich für die Hotelfachschule in Luzern entschied. Heute ist der 42-Jährige, dessen Bart die ersten grauen Ansätze zeigt, im Leben angekommen. Er geht in seiner Rolle als Gastgeber auf. Er sei Direktor, Rezeptionist, Chef de Service. Die lange Tradition verpflichte insofern, dass er immer vor Ort sein müsse, sich mit den Gästen unterhalte und den Kontakt pflege. «Man hört zu, bis einem die Ohren glühen – das ist aber auch das Schöne daran.» Seine Frau Jennifer steht der Präsenz, die das Hotel von ihrem Mann abverlangt, weniger gelassen entgegen. «Es ist wie ein Spinnennetz, das einen immer enger umfängt, und ich kämpfe dafür, dass der Betrieb ihn nicht ganz vereinnahmt.» Sie erzählt eine Anekdote, um zu zeigen, wie einfach ihr Mann gestrickt sei, im Gegensatz zu ihr, die sich ständig zu allem Gedanken mache. «Welche Gedanken beschäftigen dich, frage ich ihn also. Und er antwortet: "Ich denke daran, wie du im warmen Sonnenuntergang aussiehts..» Jennifer und Gian-Reto blicken sich in die Augen und lachen herzhaft. «Ich wünschte, ich könnte nur daran denken», ergänzt Jennifer neckisch. Gian-Reto ist schwer zu fassen, man hat das Gefühl, irgendetwas verbirgt sich in seinem Innersten – doch er erwidert gelassen und zieht dabei, wie er es oft tut, die Schulter zum Ohr: «Ich bin. Nicht mehr und nicht weniger.» Er mache sich daher auch keine Sorgen, wenn er auf die bevorstehende Wintersaison unter den aktuellen Umständen blickt. Eine positive Einstellung und das Wissen darum, dass es schon irgendwie gehe, das hätten ihn die letzten Jahre gelehrt. «Mit jeder Saison wirst du reicher an Erfahrung – und diese bringt mir innere Ruhe.»

«Ich bin. Nicht mehr und nicht weniger.»

November – wenn alles ausgestorben ist

Als Familie am Tisch sitzen können, essen, ohne gestört zu werden, nicht immer gesehen und erkannt zu werden – das bedeutet Zwischensaison für die Familie Witschi. Auch wenn sich Gian-Reto durchaus vorstellen kann, die Saison im Herbst bis Mitte November zu verlängern, freut er sich auf die Zeit, in der alles ausgestorben ist. Und anders, als man vielleicht denken könnte, bekommt er im Fextal nie den Bergkoller. «Es ist lieblich hier, der ideale Ort, um sich zu erholen, neue Kraft zu tanken. Ich muss nicht weg, um glücklich zu sein, und verstehe, wieso so viele Leute diesen Ort lieben.» Er schaut aus dem Fenster und man versteht. Dieser Blick ins hinterste Tal – die Berge sind schon tief verschneit, auf dem Hügel beim Hotel steht die kleine Bergkirche. Die Idylle, die hier herrscht – sie täuscht nicht. Sie ist echt und unverfälscht.

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