Download_on_the_App_Store_Badge_US-UK_RGB_blk_4SVG_092917 ic_keyboard_arrow_right_48px default-skin 2 estm_eng_2chair_lift estm_eng_3chair_lift estm_eng_4chair_liftestm_eng_6chair_liftestm_eng_aerial_cableway estm_eng_funicularestm_eng_gondola_cableway estm_eng_magic_carpet estm_eng_ponylift estm_eng_ski_lift estm_eng_snowtube 4_close Generated by Fontastic.me stm_booking_bergellstm_booking_bike_hotelstm_booking_bus_cable_railway_asteriskstm_booking_busstm_booking_bus_cable_railwaystm_booking_hotel_skipass_bstm_booking_hotel_skipass_bstm_booking_railway_incstm_booking_railway_inc_asterisk

Interview mit einem Bergführer

Skitouren & Bergsteigen
Interview mit einem Bergführer: Leo Luminati
«Jeder Moment auf dem Berg ist unglaublich intensiv»
Foto by Leo Luminati
Foto by Leo Luminati

Leo Luminatis Arbeitsplatz kann sich sehen lassen: eine grandiose Aussicht, umgeben von eindrucksvollen Dreitausendern. Sein Job? «Unseren Gästen unvergessliche Einblicke in diese wunderschöne Bergwelt zu ermöglichen», antwortet der junge Bergführer der Skischule St. Moritz mit Überzeugung. Erfahren Sie mehr über Touren & Tipps in unserem Interview.

Die Ausbildung zum Bergführer ist bekanntlich kein Zuckerschlecken. Welche Voraussetzungen muss ein Bewerber erfüllen?

Ein Spaziergang ist es wirklich nicht, das stimmt. Die Ausbildung dauert 3 Jahre und schon der Beginn ist ziemlich intensiv. Der Eintrittstest allein erstreckt sich über mehrere Tage, unter anderem mit der Bewältigung von 3000 Höhenmetern am Stück. Alle zwei Wochen erarbeitet man intensiv bestimmte Bereiche wie Lawinenkunde, Skitechnik, Steileisklettern, Felsklettern, Meteo, Medizin, Skitouren etc. in Praxis und Theorie. Das Bestehen aller Teil- und der Jahresabschlussprüfung vorausgesetzt, begleitet man im zweiten Jahr einen erfahrenen Bergführer als Aspirant. 40 Pflichttouren sind dabei zu absolvieren, bevor im dritten Jahr nochmals Winter- und Sommermodule vertieft werden und abschliessend die eidgenössische Fachprüfung ansteht.

Leo Luminati
Das klingt nach einem spannenden und vor allem herausfordernden Mix an Aktivitäten. Müssen deine Kunden also bereits fortgeschrittene Skifahrer bzw. Kletterer sein, um auf eine Ski- oder Bergtour zu gehen?
Nein, keineswegs. Wir finden für jeden, der Freude daran hat, in die Natur hinaus zu gehen, eine passende Tour. Ob gemütlicher Aufstieg mit einer Abfahrt oder Powdern über einen Steilhang – unsere Region bietet für jeden das Richtige. Mit Anfängern gehen wir auch nur auf Touren, bei denen wir jederzeit umkehren können, da gibt es keinen point of no return. Wir Bergführer kennen all diese unterschiedlichen Möglichkeiten. Fragt uns einfach – keine falsche Scheu! Das Wichtigste für Gäste, die sich für Touren – sei es im Winter oder im Sommer – interessieren, ist Exklusivität. Damit meine ich nicht Elitäres, sondern ein Naturerlebnis fernab von den belebten Pisten oder Routen. Sie suchen die Ruhe und ein Stück weit auch Einsamkeit. Diese Erfahrung können wir ihnen auf leichten und anspruchsvollen Touren gleichermassen bieten.
Foto by Leo Luminati
Das Sortiment in Sportgeschäften wird immer umfangreicher, innovative Neuheiten insbesondere im Bereich Sicherheit füllen die Regale … was aber gehört unbedingt in meinen Tourenrucksack?
Das kommt darauf an, vor allem bei Klettertouren aufgrund der unterschiedlichen Routenanforderungen. Immer dabei sind natürlich neben Funktionsbekleidung und Bergschuhen Orientierungskarten oder -geräte (heute meist das Handy), ein Klettergurt, ein Kletterseil – hier bestimmt die jeweilige Route über die erforderliche Länge, eventuell ist sogar ein Doppelseil erforderlich – und ein Helm. Je nach Route kommen beispielsweise noch Kletterfinken, ein Sicherungsgerät, ausreichend “Expressen”, “Karabiner” und “Friends” hinzu. Du siehst, eine abschliessende Checkliste für alle Bergtouren gibt es leider nicht.
Und wie sieht eine Packliste bei einer Skitour aus?
Da schaut es schon konkreter aus: Niemand sollte ohne ein Lawinensuchgerät (LVS) losziehen, das vor jeder Tour auf Funktionsfähigkeit zu testen ist. Dann gehören Sondierstange und Schaufel ebenso wie ein Erste-Hilfe-Set in den Rucksack. Vor der Tour solltest du dich über den Empfang auf der Strecke informieren und ein geladenes Mobiltelefon dabeihaben. Dein Bergführer verfügt natürlich stets über ein Funkgerät, das überall die Rega oder die alpine Rettung kontaktieren kann. Wenn dein Rucksack 30 Liter fasst, reicht das völlig für das Equipment aus, auch für die warme Kleidung, ggf. Wechselkleider, deinen Proviant, Sonnenschutz, Handschuhe, Helm, etc.… also all jenes, was du beim «normalen» Skifahren auch brauchst.
«Jeder Moment auf dem Berg ist unglaublich intensiv»
«Jeder Moment auf dem Berg ist unglaublich intensiv»
Wie schaut es mit einem Airbag aus?
Da kommt es auf die Tour an. Beim Freeriden ist die Mitnahme definitiv sinnvoll, auf einer einfachen Skitour nicht unbedingt. Der Airbag bringt zudem ein Zusatzvolumen von rund 10 Liter mit sich, was viele als hinderlich empfinden. Der Bergführer hat ihn meist dabei, da er ja bei notwendigen Rettungen präsent sein sollte.
Alt text
Alt text
Der Klimawandel ist ja immer spür- und auch sichtbarer: Die Schneegrenze ist nicht mehr jene wie noch vor 15 Jahren. Inwieweit fordern diese Veränderungen neue Verhaltensregeln in den Bergen?
Das Problem ist, dass der Rückgang des Permafrosts einen Berg brüchiger macht. Wie man leider erst vor kurzem am Matterhorn erlebt hat, wo ein ganzer Stand plötzlich weggebrochen ist, muss die Routensicherheit neu eingeschätzt werden. Natürlich kommt es dabei auch auf die jeweilige Gesteinsart an: Der Granit im Bergell beispielsweise ist an den meisten Orten wunderbar solide. Aber auch dort hat uns der Cengalo-Bergsturz gezeigt, welche Gewalt die Natur haben kann. In Zukunft müssen wir vielleicht immer mehr ausweichen, d. h. wir gehen z. B. im warmen August sicherheitshalber nicht mehr auf die Vier-, sondern auf die Dreitausender, um auf solidem Fels zu klettern.
Was reizt dich am meisten an deinem Beruf? An den Bergen?
In den Bergen bin ich weg von allem, ich erlebe etwas Exklusives, Einzigartiges. Wenn ich um 2 Uhr aufstehe, loslaufe, dann geht die Sonne auf … das ist unglaublich intensiv, jeder Moment auf dem Berg ist unglaublich intensiv! Und das Schöne am Bergführerberuf ist, dass wir auch anderen solche grossartige Momente ermöglichen können. Dass wir jemandem einen Ort der Welt zeigen können, den er so ohne uns unter Umständen nicht erleben könnte. Das ist wunderschön. Ich arbeite auch als Skilehrer, doch denke ich dabei zuweilen bei manchen Pisten: „Die kommt jeder auch allein runter, da braucht’s mich nicht ...“ Aber auf bestimmte Berge, z. B. den Piz Bernina, würden viele Gäste nicht ohne uns gelangen. Mit uns ist es für sie also möglich, etwas ganz Spezielles zu erleben.

Verrätst du uns deine Top 3 für Berg- und Skitouren?

Natürlich! Bei den Skitouren sind dies:
  • die Gemsfreiheit von der Diavolezza aus, eine einfache, aber spektakuläre Skitour. Nach zwei Stunden Aufstieg befindest du dich schon mitten in der Kulisse der Drei- und eines Viertausender und der Gletscher. Der Piz Bernina schaut auf dich herab ebenso wie der Piz Palü … Auch die Schneesituation ist meist hervorragend!

  • die Freeride-Tour von Trais Fluors bis hinunter nach Spinas: Von der Bergstation steigst du auf zur Fuorcla Valletta, von wo eine abwechslungsreiche Abfahrt bis hinunter nach Spinas führt. Offene Hänge, steile Waldstücke – hier ist alles dabei.

  • die Tour ins Val Forno bei Maloja. Diese Granitberge, steilen Wände, bestens bewartete Hütten und diese charakteristischen Felsnadeln wie die berühmte Ago di Cleopatra – ein wunderschönes, abgelegenes Tal!

Und meine persönlichen Sommerfavoriten führen dich

  • ins Bergell zum Piz Badile mit seinem wunderbarem Fels zum Klettern, überhaupt nicht brüchig. Wirklich eine der schönsten Bergtouren, die ich kenne!

  • die sogenannte Himmelsleiter, d. h. den Biancograt, hoch auf den Piz Bernina. Sie ist grandios abwechslungsreich und kombiniert Felskletterei mit Schneetour.

  • last but not least natürlich zum Piz Palü, einem der schönsten Schneeberge, die ich kenne. Dort sind alle Routen überwältigend – sei es über den Ostgrat oder die Normalroute ab der Bergstation Diavolezza. Der Blick hinunter in die grünen Täler des Puschlav oder von Samedan … einfach wunderbar
Powdern bis zum Sonnenuntergang
mehr erfahren
Powdern bis zum Sonnenuntergang
Willkommen im Festsaal der Alpen
mehr erfahren
Willkommen im Festsaal der Alpen
Schweizer Skischule St. Moritz
Skilehrer Leo Luminati
Schweizer Skischule St. Moritz