Download_on_the_App_Store_Badge_US-UK_RGB_blk_4SVG_092917 ic_keyboard_arrow_right_48px default-skin 2 estm_eng_2chair_lift estm_eng_3chair_lift estm_eng_4chair_liftestm_eng_6chair_liftestm_eng_aerial_cableway estm_eng_funicularestm_eng_gondola_cableway estm_eng_magic_carpet estm_eng_ponylift estm_eng_ski_lift estm_eng_snowtube 4_close Generated by Fontastic.me stm_booking_bergellstm_booking_bike_hotelstm_booking_bus_cable_railway_asteriskstm_booking_busstm_booking_bus_cable_railway_asteriskstm_booking_bus_cable_railwaystm_booking_golfhotelstm_booking_hotel_skipass_bstm_booking_hotel_skipass_bstm_booking_railway_inc_asteriskstm_booking_railway_inc

Roger Rominger - Scharfe Kunst

Fexer

Fextal
Ästhetik ist das A und O

Sie sind überall im Engadin zu finden. Versteckt in abgelegenen Tälern oder im Fokus der Touristen direkt in St. Moritz. Aussergewöhnliche und zum Teil noch wenig bekannte Künstler – sie entwickeln ausgefallene Ideen, inspiriert von der Engadiner Landschaft. Einer von ihnen ist der Schmied Roger Rominger, ein waschechter Fexer.

Normalerweise ist es in den frühen Morgenstunden ruhig im autofreien Fextal bei Sils. Nicht so an diesem Morgen. Tok, tok, tok – aus der Schmiede bei Fex Platta hören die wenigen hartgesottenen Spaziergänger, die sich bei den herbstlichen null Grad aus dem Haus wagen, wie der Hammer auf dem Amboss aufschlägt. In der ungeheizten Schmiede faltet Roger Rominger ein glutrotes Stück Stahl. Mit jedem Hieb verändert sich das Muster der glühenden Klinge. Durch das Fenster fällt ein morgendlicher Sonnenstrahl in die dunkle, rustikal eingerichtete Schmiede und wirft die Szene in mystisches Licht. Roger hat das Erscheinungsbild eines Schmieds, wie man sich ihn vorstellt: gross, mit Vollbart, kräftige Hände und blaue Augen, die durch die Schutzbrille hindurchlinsen. Er ist gelernter Schmied/Hufschmied, doch mittlerweile schafft er wahre Kunstobjekte – seine Leidenschaft: Damastmesser.

«Damastmesser sind die Diven unter den Messern», beschreibt uns Roger schmunzelnd seine Kunstwerke.
Schmied Roger Rominger

Jedes Messer trägt die Seele des Fextals in sich

Roger kneift ein Auge zusammen und lässt seinen Blick präzise über die feinen Linien der Klinge schweifen. «Der weiche Federstahl», erklärt er und führt uns in die Geheimnisse der 2000 Jahre alten Herstelltechnik ein, «umschliesst den harten Stahl und verhindert, dass dieser bricht. Das Messer gewinnt so an Flexibilität.» Bis zu 500 Lagen aus unterschiedlichen Stählen verleihen der Klinge das charakteristische Muster, vergleichbar mit den Jahresringen eines Baums. Der Einsatzbereich und der Schneidestil bestimmen die Stahlqualität: Wünscht der Kunde ein Freizeitmesser oder ein Küchenmesser? Wie geht der Kunde mit dem Messer um, ist er ein Laie oder ein professioneller Koch? «Der Griff aus Materialien wie Makassar Ebenholz oder Hirschhorn mit Messing ist auf die Form der Klinge abgestimmt. Jedes Messer ist ein Unikat – ein Stück Fexer Seele.» Sein aktuelles Werk hat einen Griff aus Schlangenholz und trägt den rätoromanischen Namen «L'orma nüda», zu Deutsch «nackte Seele». Als Fexer ist Roger sowohl zu Hause als auch in der Schule mit dem rätoromanischen Dialekt Puter aufgewachsen. «Beim Schmieden darf keine Routine aufkommen», so der 35-Jährige, «sonst schleichen sich Fehler ein: Eine falsch gewählte Temperatur hat zur Folge, dass sich die Schichten trennen. Die ganze Arbeit wäre umsonst.»

Wie kommt man auf den Gedanken, Damastmesser zu schmieden?

Nach dem Besuch im Fextal kennen wir die Antwort auf diese Frage: Das auf 1900 Metern gelegene unberührte Fextal ist mit seiner wilden Natur ein wahrer Quell der Inspiration. Goldene Lärchen vor schneebedeckten Berggipfeln entführen Wanderer und Biker in die Welt der Gebrüder Grimm. Roger selbst bezeichnet sich als Stubenhocker. Es sei denn, es ist gerade Jagd, dann pirscht er auf Gämsen. Als passionierter Jäger bleiben ihm die schönsten Plätze im Fextal nicht verborgen: Den Lej Sgrischus («Schauerlicher See») und den Piz Tremoggia zählt er zu seinen Lieblingsorten. Überlegt, vom Fextal in die Stadt zu ziehen, hat er sich nie. Er mag das Fextal – ein Seitental, bodenständig und unkompliziert wie er selbst – auch wenn es ihm in schneereichen Wintern ab und zu etwas abgelegen scheint.

Bereits elf Jahre ist es her, dass ihn eine Sendung über Damastmesser dazu motivierte, selber ein solches herzustellen. Bis der Schmied sein erstes Damastmesser in den Händen hielt, tüftelte er allerdings lange. Heutzutage hätte er sich in einem fünfminütigen Youtube-Video schlau gemacht, die damals noch rar waren. Ideen für Muster und Formen findet er in der Natur.

Roger Rominger - Scharfe Kunst
Roger Rominger - Scharfe Kunst
Roger Rominger - Scharfe Kunst
Roger Rominger - Scharfe Kunst

Ästhetik ist das A und O

Was bewegt einen dazu, bis zu 2000 Franken für ein Messer auszugeben?
«Ganz klar: Ästhetik», sagt Roger bestimmt. «Damastmesser sind Liebhaber- und Sammlerobjekte, zum Beispiel für ambitionierte Hobbyköche. Ich bezeichne sie als die Diven unter den Messern. Sie benötigen Pflege und sind daher nicht für den professionellen Koch in der Grossküche geeignet. Ein Messer entspricht einer Woche Arbeit und das Material ist teuer zu beschaffen», erklärt er den Preis seiner Messer. Vom Kaminfeger über Eishockeyspieler bis zum passionierten Sammler kaufen verschiedene Charaktere aus dem In- und Ausland seine praktischen Kunstobjekte.

Nicht weniger Erfindergeist legt Romingers Frau Martina an den Tag. Auf dem familieneigenen Hof, der Chesa Rominger, führt sie den kleinen Gastrobetrieb MaingaBain, auf Deutsch «iss gut». Die Speisekarte weckt die Neugier experimentierfreudiger Kulinarikfans: Hinter dem Bündner-Donnerstag und dem Schafburger-Freitag verstecken sich Fexer Spezialitäten wie die Engadiner Siedwurst aus dem hofeigenen Bio-Lammfleisch oder Schafsalsiz. Wer die währschafte Seite des Fextals kennenlernen möchte, nimmt sich Zeit für einen Zwischenstopp auf der Terrasse des MaingiaBain und schaut sich die Damastmesser im Fexer Lädeli an. Öffnungszeiten: www.fexer.de

Schon gewusst?

«Val Fex» (Fextal) stammt ursprünglich vom Begriff «feda» ab, was soviel bedeutet wie “Schafe”. Bereits um 1303 weideten im Fextal Schafe und auch heute noch sömmern auf den Fexer Alpen rund 900 Tiere.
Roger Rominger - Scharfe Kunst