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Das schnelle Eis im Engadin

Olympischen Bobbahn und Cresta Run
Das schnelle Eis im Engadin

Wem im berüchtigten Horse-Shoe Corner oder legendären Shuttlecock die Zähne tüchtig klappern und der Schädel brummt, nimmt es garantiert mit (britischem) Humor und Sportsgeist! Wagemut, Temporausch und Adrenalin sorgen auf der Olympischen Bobbahn und dem Cresta Run von St. Moritz nach Celerina seit über 130 Jahren jeden Winter für Hochstimmung und Heldengeschichten.

Nein, normal ist das nicht. Sich bäuchlings auf ein Brett mit Kufen zu legen, kopfüber in einen Eiskanal zu stürzen und bei bis zu 140 km/h einem nicht ungefährlichen Temporausch zu verfallen. Aber Normalität und Alltag sind im Engadiner Winter ohnehin selten anzutreffen, und so regiert auch auf dem Cresta Run fröhliche Extravaganz und britische Nonchalance.

Olympia Bob Run St. Moritz - Celerina

Olympia Bob Run St. Moritz - Celerina

Adrenalin

Fliegen im Liegen

Diese heitere Grundstimmung hält sich seit den frühen Tagen, als der winterliche Eventkalender noch recht dürftig bestückt war. «Tanzabend im Hotel», «Kutschfahrt am Vormittag» oder «Five o’clock Tea» waren den ersten englischen Wintertouristen zu beschaulich und sie vertrieben sich die Zeit lieber mit allerlei Gaudi. So hielten sie es für eine kolossale Idee, die vereiste Strasse von St. Moritz nach Celerina auf flachen Schlitten hinunterzubrettern. Aus der Idee wurde rasch ein populärer Sport und 1884 baute eine Gruppe von Briten die erste separate Eisrennbahn. Da sich schon damals alles um Bestzeiten drehte, wurde bereits bei dieser «Urfassung» ein offener Eiskanal mit Wänden aus Eis konstruiert, die einen exzellenten Neigungswinkel ermöglichten. Bald erreichten die flachen Schlitten Geschwindigkeiten, die die braven Bündner Bauern nur die Köpfe schütteln liessen. Man bedenke: Das Auto war gerade erst erfunden, von Flugzeugen konnte noch nicht die Rede sein und Dampfloks erreichten auf Teststrecken «nur» 112 km/h.

Cresta Run
Cresta Rider
Cresta Run

«No Woman No Cry»

Als 1928 Skeleton erstmals als neue Disziplin der Winterspiele in St. Moritz/Celerina vorgestellt wurde, adelte die internationale Sportlergemeinschaft den Cresta Run zur olympischen Wettkampfstätte. Fünf Jahre darauf, nach einer bis anhin enormen Vorwärtsentwicklung in den Bereichen Technik und Popularität, kam es mit der Generalversammlung von 1933 zu einem Rückschritt: Das Liegen auf dem Bauch und der Brust sei für Frauen gesundheitsschädlich, hiess es plötzlich, woraufhin der Cresta Run zur Männerdomäne erklärt wurde. Erst 2018 kippte diese Regelung, so dass auch die Damenwelt wieder Kopf und Kragen riskieren darf bei der Fahrt über 1212 m, durch zehn Kurven, über bis zu knapp 40 % Gefälle, bei bis zu 140 km/h und die Nase stets nur wenige Zentimeter über dem Eis!

Der Bob hält Einzug

Der Cresta Run war also ein Riesenerfolg, doch schon wenige Jahre nach Beginn seiner Ära brachten die findigen Engländer ein weiteres Winterhighlight ins sonnige Engadin. Schon 1888 hatte die «St. Moritz Post Davos and Maloya News» von einem US-Amerikaner namens Stephen Whitney berichtet, der in Davos einen bobsled vorgestellt habe, also zwei durch ein Brett fest verbundene Schlitten mit steuerbarer Achse. Natürlich tauchte in St. Moritz bald ein ähnliches Gefährt auf: ein mehrsitziger Schlitten mit einem eisernen Gartenrechen als Bremse.

Wie gehabt gingen die sportbegeisterten Engländer auch diesen Spass mit organisatorischem Ernst an und gründeten 1897 den St. Moritz Bobsleigh Club. Der Sport boomte und die anspruchsvolle Strecke mit dem berüchtigten Horse-Shoe Bend wurde zweimal zum Austragungsort von Olympischen Winterspielen (1928 und 1948) gekürt.

Die Bahn verläuft heute noch nahezu unverändert über 1722 m nach Celerina und überwindet dabei rund 130 Tiefenmeter. Interessierte können die Streckenführung auf einem rund 45-minütigen informativen Spaziergang vom Zielgelände in Celerina bis zum Start in St. Moritz erlaufen – doch warum nicht selbst einmal ausprobieren, wie sich eine Fliehkraft von 4G anfühlt? Sicher eingepfercht zwischen Pilot und Bremser erleben Sie bei einer Gästebobfahrt einen «Adrenalinkick mit Tradition» im Rennviererbob!

Unser Tipp: Wer gerne in Geschichte schwelgt, sollte das Bobmuseum nicht entgehen lassen, das dienstags von 17 bis 18 Uhr und auf Anfrage geöffnet ist. Der Besuch lässt sich übrigens hervorragend mit der vorangehenden Dorfführung durch das historische Celerina verbinden (Treffpunkt um 15 Uhr an der Tourist Information am Bahnhof).

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