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Ein kleines Stück des Ganzen

Maloja
Ein kleines Stück des Ganzen

Heute sind wir im schneereichsten Dorf des Engadins. Auf 1815 m ü. M. liegt Maloja. Ein Grenzdorf sozusagen. Während es geografisch zum Engadin zählt, liegt es politisch auf dem Gemeindegebiet des Bergells. Das macht es für viele, die hier wohnen, reizvoll. Man ist schnell in St. Moritz und schnell im Bergell. Wir treffen einen Einwohner, der 40 Jahre seines Lebens in den Dienst der Öffentlichkeit gestellt hat: Orlando Ganzoni. 1945 in Promontogno, im Bergell, geboren, ist er 1972 mit seiner Frau Sina nach Maloja gezogen. Ihr Haus steht an bester Lage, Richtung Skilift Alea. «Die Weite, die Offenheit und das Licht sind hier aussergewöhnlich», sagt Orlando und öffnet den roten Vorhang der Terrassentür etwas weiter – der Blick schweift von hier in die Ferne bis zur Motta Salacina und zum Val Forno. «Und da draussen, da stand es die letzten Jahre – mein Schneemessfeld.» Er zeigt auf die Wiese, einige Meter vom Haus entfernt. Orlando Ganzoni hat während seiner Tätigkeit als Klärwärter bei der Gemeinde und weitere 10 Jahre nach seiner Pensionierung täglich von November bis Ende April Schnee beobachtet. Er war damit verantwortlich für eine der zahlreichen Messstationen des SLF, dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos. In Maloja besteht die Station seit 1950. Die Daten, welche in der ganzen Schweiz gesammelt werden, gehören zu den wichtigsten Grundlagen für die Erstellung des täglichen Lawinenbulletins. «Ich habe meinen Beitrag zum Ganzen geleistet.» Und das jeden Morgen, jeweils sechs Monate am Stück, während 40 Jahren.

Ein kleines Stück des Ganzen

«Ich bin kein Wetterschmöcker»

Orlando sitzt vor dem Laptop in seinem kleinen Büro. Auf dem Tisch liegt das Beobachterhandbuch des SLF. Die gesammelten Daten kann er alle digital einsehen. Er setzt die Brille auf. «2013/14 hat es total 9.96 Meter geschneit, so viel habe ich in keinem anderen Jahr gemessen. 1988 mit nur 2.44 Meter wiederum am wenigsten.» Wagt er eine Prognose für diesen Winter? «Nein, auf gar keinen Fall», sagt er lachend und ergänzt: «Ich bin kein Wetterschmöcker.» Und das erste Jahr seit Langem kann er den Winter nehmen, wie er kommt. Normalerweise hätte er Mitte Oktober bereits das Messfeld aufgebaut, ab dem 1. November jeweils begannen die Messungen, sofern es schon geschneit hatte. Seine tägliche Aufgabe bestand dann darin, die Neuschneemenge zu messen. Waren es mehr als 10 Zentimeter, musste Orlando den Schnee zusätzlich wiegen, um den Anteil Wasser zu eruieren. Und schliesslich musste er die Schneeoberfläche beobachten, alles dokumentieren und die Ergebnisse vor 8 Uhr nach Davos schicken. Zusätzlich galt es, alle zwei Wochen ein Schneeprofil zu erstellen und dafür jedes Mal ein Loch bis auf den Grund zu schaufeln muss. «Schnee geschaufelt habe ich in meinem Leben weiss Gott schon genug”, sagt Orlando. “Jetzt reicht’s.» Doch er gibt zu: Einen Moment lang hat er seine alte Aufgabe doch vermisst, als der erste Schnee gefallen war.

Ein kleines Stück des Ganzen

Weder Engadiner noch Bergeller

Jetzt liegt nur noch ein Hauch Schnee der letzten Nacht auf der Wiese. Orlando ist es recht, er mag den November nur, wenn die Wanderwege noch nicht schneebedeckt sind und der Nebel nicht dominiert. Denn November in Maloja bedeutet oftmals: Nebel. Ein echt lokales Phänomen, denn meist genügt die kurze Fahrt bis Plaun da Lej, um der weissen Wand zu entfliehen. Orlando kann von seiner Stube aus beobachten, wie der Nebel vom Bergell hochsteigt und allmählich alles verschluckt. Den Frühling und Herbst verbringt er auch darum zum Teil zeitweise in seinem Geburtsort. «Wir sind wie Zigeuner und lassen und dort nieder, wo es gerade schöner ist.» Engadin oder Bergell lautet die Auswahl. Ob er sich selbst sich denn als Engadiner oder Bergeller sehe? «Ich fühle mich als Bergeller, denn ich bin dort aufgewachsen. Meine Kinder jedoch sagen, sie seien weder noch, sondern Malojaner.» Woher das Gefühl kommt, wisse er nicht. Es habe wohl tatsächlich damit zu tun, dass Maloja beides ist. Und Maloja ist noch etwas anderes: Ein Garant für viel Schnee. Der kleine Skilift Aela wird im Winter zum Hotspot für Freerider, die tiefverschneiten Wälder zum Mekka für Langläufer. Letztere werden in diesem Jahr zum ersten Mal seit 10 Jahren nicht mehr Orlandos Messfeld umlaufen. Ob es den Leuten wohl auffällt?

Nach 50 Jahren hört die Familie Ganzoni auch auf, ihre Ferienwohnung zu vermieten. «Die werden die Stammgäste bestimmt vermissen, doch unsere Kinder wollen vermehrt hier Zeit verbringen», erzählt er zufrieden. Somit zieht er sich zurück aus dem Dienst der Öffentlichkeit und geniesst mit 75 Jahren zum ersten Mal seine Pension. Ohne Verpflichtungen. Loslassen und die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen – das habe er schon immer gut gekonnt. Sagt’s und schliesst die Türe.

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